Nachrichten

Tarifabschluß in der Chemischen Industrie
Am 21. April haben sich die Tarifparteien in der chemischen Industrie auf ein neues Tarifabkommen geeinigt.
Die wesentlichen Eckpunkte sind:
- eine Einmalzahlung bis zu 715 Euro
von 150 Euro für Auszubildende, 550 Euro für Arbeitnehmer in Normalschicht,
611 Euro für Arbeitnehmer in teilkontinuierlicher Schichtarbeit bis zu den
715 Euro für Arbeitnehmer in vollkontinuierlicher Schichtarbeit
- ein Konjunkturbonus von bis zu 260 Euro (gestuft von 200 über 220 bis 260 Euro
für die o.g. Schichtsysteme)
Die Einmalzahlung kann abgesenkt werden, wenn der Betriebsrat und im Zweifelsfall die Tarifparteien einverstanden sind. In einer Mindesthöhe von 300 Euro über 333 bis 390 Euro muß der Betrag für die einzelnen Schichtsysteme auf jeden Fall gezahlt werden.
Die Laufzeit des Tarifvertrages beträgt 11 Monate.
- Der Tarifvertrag „Zukunft durch Ausbildung“ wird von 2011 bis 2013 fortgeschrieben.
- Die Übernahme nach der Ausbildung soll stärker gefördert werden.
Alle tarifgebundenen Firmen zahlen insgesamt 25 Millionen Euro in einen Fonds ein, aus dem Betriebe unterstützt werden sollen, die trotz schwieriger wirtschaftlicher Lage Ausgelernte übernehmen. Für eine Übernahme gibt es, befristet auf ein Jahr, insoweit einen monatlichen Entgeltzuschuss von 1000 Euro.
- Eine aktive Politik der Beschäftigungssicherung soll Entlassungen verhindern helfen.
Kritik: Nicht überraschend kommt für die CGBCE die relativ schnelle Einigung von IGBCE und Chemie-Arbeitgebern innerhalb von zwei Tagen.
- Die Entgelterhöhung in der Metall- und Elektroindustrie sowie im öffentlichen Dienst machten einen völligen Verzicht auf eine Entgelterhöhung zunichte.
- Die Arbeitgeber machten einen Kniefall gegenüber den BASF-Interessen. Das Unternehmen weist wieder ausgezeichnete Wirtschaftsdaten aus. Ein schneller Abschluss vor der sich unmittelbar anschließenden Hauptversammlung kam den BASF-Repräsentanten Hansen und Voscherau und anderen in der Tariffindungskommission äußerst gelegen.
Zwar läßt der Tarifvertrag eine Spreizung bei den Entgeltbeträgen zu, er trägt aber zunehmend den Wünschen der großen Chemiekonzerne Rechnung. Zwangsläufig stellt sich daher die Frage, wie zukünftig den Bedürfnissen kleiner und mittlerer Unternehmen besser entsprochen werden kann.
Eine Entwicklung zu einem Tarifkartell und tarifpolitischer Schaumschlägerei würde dem Flächentarifvertrag auf Dauer den Garaus machen.
 |